Welche Versprechen gehen von einem Roman aus, der in sogenannten Leitmedien wie FAZ und Deutschlandfunk bereits wohlwollend aufgenommen wurde? In erster Linie sollten das die Wahrung des inhaltlichen Anspruchs und die Einhaltung einer gewissen literarischen Form sein. Beides wird in Heike-Melba Fendels Berlinale-Roman Zehn Tage im Februar nicht nur aufs Allerbitterste enttäuscht, sondern ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Mehr noch stellt sich die Frage, mit welchem Passierschein dieses Buch überhaupt durch die Etagen der genannten Redaktionen und des Berliner Aufbau-Verlags schlittern konnte?

Zehn Tage im Februar ist nicht viel mehr als das langweilige Monologisieren eines absolut uninteressanten Püppchens. Die namenlos bleibende Erzählerin mittleren Alters ist unschwer als das leicht verfremdete Alter Ego der Autorin Heike-Melba Fendel zu identifizieren, die ihres Zeichens selbst als Journalistin und PR-Agentin zwischen Berliner Café-Einstein-Prominenz und Kölner Fernsehanstalten lebt.

Die Handlung des Romans setzt mit einer gescheiterten Beziehung und dem schwarzweißmalerischen Schimpfen auf das männliche Geschlecht ein (Frau ist gleich emotional und Mann ist gleich rational). Unterschwellige Themen bleiben dann auch die fehlgeleiteten Emanzipationsbestrebungen und die gesellschaftlich konstruierten Abhängigkeitsverhältnisse von Frauen zu Männern. Dabei erinnert der zugrunde gelegte Impetus nicht selten an eine unterkomplexe Variante der Kolumnen Carrie Bradshaws aus Sex and the City.

Vordergründig ermöglicht es die Trennung der Erzählerin jedoch die anstehende Berlinale in vollen Zügen auszukosten und in Rückblenden aus ihrer eigenen Vergangenheit als Studentin und junge Reporterin in Cannes zu berichten. Der Erzählstrang der Gegenwart versucht dann das Unbeschwerte von damals wieder einzuholen. Wobei die Leidenschaft für den Film über das ganze Buch stets nur an der Oberfläche kratzt. Sie dient als Alibikonstruktion, um in die Welt der Stars und Sternchen einzutauchen und nicht selten als verlogene Selbstversicherung der Erzählerin, die es ihr erlaubt in einer ebenso aufgesetzten Leichtlebigkeit zu verharren.

Die auf den Festivals gezeigten Filme werden inhaltlich kurz abgehakt, gefolgt von einem lapidaren „interessant“ oder nichtssagenden „beeindruckend“, bevor es auf zum nächsten Treffen geht: Matt Damon hier, River Phoenix da und die Frage, wer welche Marke zu welchem Anlass und warum besser nicht angezogen hätte. Da helfen auch die zentralen Begegnungen mit der in diesem Milieu als fast schon alternativ geltenden, neuseeländischen Regisseurin Jane Campion nicht viel weiter. Kaum verwunderlich also, dass es unter Vertretern der Yellow Press wohl wirklich so zugehen mag, aber noch erstaunlicher, dass mit keiner einzigen Silbe nur ein Quäntchen Distanz zu dieser äußerlich-arroganten Haltung eingenommen wird.

So untergräbt der Gradmesser von Heike-Melba Fendels Schreibstil auch leider nicht das journalistische Niveau der Zeitschriften Cosmopolitan oder Vanity Fair, sondern geht darin in völliger Selbstgefälligkeit auf. Die eigentlich zu erwartende Ironie in der Betrachtung eines auf Schein angelegten Blendwerks wie Hollywood oder die Überführung des Ganzen in eine Groteske bleibt leider aus. Die unverkennbar bestehende Lust am Glamourösen wird nicht weiter entfaltet. Übrig bleibt eine unnötige und simplifizierende Lektüre, die nichts entlarvt, sondern nur die alten Klischees einer snobistischen Hautevolee bestätigt und dabei den Ton eines drittklassigen Enthüllungsjournals imitiert; und all das von einer Autorin, die den Betrieb wie ihre Westentasche kennt und weitaus mehr leisten könnte als den boulevardesken Plauderton ihrer Branche nachzuäffen.

von Marcus Böhm

Heike-Melba Fendel: Zehn Tage im Februar. Blumenbar im Aufbau Verlag: Berlin 2017. 205 S., 18,00 Euro.

http://www.aufbau-verlag.de/index.php/literatur-unterhaltung/romane-erzahlungen/zehn-tage-im-februar.html

10 thoughts on “Heike-Melba Fendel: Zehn Tage im Februar”

  1. Dies ist mal ein Verriss wie ich in selten gelesen habe. Ich schmunzle beim lesen der Sätze und wünsche dir zum Ausgleich dieser Gruseligkeit Leuchtstofffeines Gegengewicht.

  2. Schade, dass es offenbar so schlecht ist. Leider gibt es so wenig gute aktuelle Bücher über den Kunstbetrieb (oder auch den Teil der Filmindustrie, der sich jenem zuordnen ließe) – Romane, die eine literarische Beschreibung dieser Welt mit kunsttheoretischen Reflexionen zu verbinden wüssten. So etwas würde ich gern lesen. Oder gibt es das und ich kenne es nur nicht?

  3. sie müssen mein buch ganz und gar nicht mögen, aber ein verriss solte nicht verkörpern, was er kritisiert: es gibt keine begegnungen mit matt dam oder river phoenix (der ist das vernehmen einer todesnachricht im radio eine begegnung), kein film wird zusammenfassend mit den von ihnen benannten begriffen abgehandelt, und um etwa bosnisches kino geht es deutlich häufiger als um hollywood.
    und da wir uns meines wissens nicht kennen, weiß ich auch nicht, inwieweit sie den grad der verfremdung oder nicht verfremdung meiner biografie bemessen können. mit welcher kölner sendeanstalt hätte ich etwa zu tun.
    dass sie zudem die kritik einleitend mit dem verweis auf überschätzende leitmedien pimpen, macht das ganze auch nicht cooler.
    und der ganz und gar unironische gebrauch der überfloskel ausdruck „stars und sternchen“, lieber herr böhm setzt ihrem text die joornalistische amateurkrone auf.
    jeder wahrt inhaltlichen anspruch halt auf seine und ihre weise.
    sie erwarten von mir rsp meinem text ironie? ich finde ironie total langweilig.
    die geschichte einer frau, die nicht zwischen kino und wirklichkeit unterscheiden kann, finde ich allerdings um ein vielfaches interessanter als rausgekotzte halbgareiten, die kritik zu nennen ihr text sich selbst verbietet.
    schöne grüße

    heike-m fendel

    1. Liebe Frau Fendel, Ihre Bereitschaft auf meinen Beitrag zu antworten lobe ich mir. Das ist es auch, wie wir alle zu einem augenöffnenden Diskurs in einem getrübten Wahrnehmungsfeld beitragen können. Dabei ist es sinnvoll, sich mehr in Gelassenheit als in Eitelkeit zu wiegen. Denn wer die literarische Öffentlichkeit betritt, muss auf ihrem Kampfplatz mit kritischer, ja geradezu polemischer Abwehr rechnen. Wenn diese dann gelegentlich etwas überzeichnet ausfällt, so nur deshalb, um den Wesenskern des Werkes in verdichteter und ungeschönter Weise aufscheinen zu lassen; um jedwedem Klappentextgeklatsche und besonders den Schönwetterbesprechungen die Stirn zu bieten.

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